Recht

Die University of Portland hat das Internet nicht verstanden

Langsam kann man /. nicht mehr lesen. Nicht, weil's schlecht geschrieben wäre, sondern wegen der mehr als eigenartigen Vorfälle in God's Own Country, über die dort berichtet wird:

Die University of Portland ("A history of extraordinary students") hat einen Studenten für ein Semester vom Studium ausgeschlossen und anderen "Strafen" auferlegt, die man in Deutschland in der Mittelstufe einer problematischen Hauptschule erwarten würde. Der Grund: Der Student entwickelte ein Programm, das Ciscos Clean Access umgeht. Nach einem Bericht der dortigen Studentenzeitung über CCA wird dessen Einsatz dort mittlerweile rigoros erzwungen, allerdings nur für Windows-PCs: Es erstellt schlicht und einfach einen Bericht darüber, ob die Maschine ordentlich gepatcht und mit einem Symantec-Virenscanner versehen ist.

Auf dieser Basis lässt sich natürlich keine Netzwerksicherheit erzwingen, wie die Uni in ihrer FAQ zu Clean Access behauptet. Über die Fixierung auf den Symantec'schen Virenscanner würde sich eine getrennte Recherche, unter Einbeziehung des Haushaltsberichts der Uni, vielleicht auch lohnen...

Was der Student da umgangen hat, ist jedenfalls keine für die Integrität eines Netzwerks unverzichtbare Sache, sondern allenfalls ein Anti-DAU-Tool. Allein mit dem Schreiben seines Programms hat er ja schon bewiesen, nicht zu dieser Kategorie zu gehören. Anstatt nun zu sagen, ok, da ist also eine Lücke im System, vielleicht wäre es doch besser, die Betriebssystem-Monokultur zu beenden und die Windows-Nutzer über ihre Verantwortung aufzuklären, greift die Uni in einer, wie die Studenten passend schreiben, "knee-jerk reaction" gleich zur härtesten verfügbaren Sanktion. Andere Studenten und sogar ein Dozent, die ebenfalls das Programm verwendeten, müssen sich jetzt beraten lassen und eine kurze "Reflektion" darüber schreiben, wie sie zukünftig ihre "ethischen Maßstäbe" setzen. Diese Maßnahmen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...

So unglaublich diese Geschichte ist: sie ist ein schönes Beispiel für die Untauglichkeit von Rankings bei der Wahl einer Hochschule. Denn nach der hauseigenen Ranking-Übersicht erreicht die UP Platzierungen im oberen Mittelfeld -- aber wer möchte ernsthaft an einer Uni mit so einem Klima arbeiten?

Restriktiver Ausschluss der “viralen” GPL? Die PowerShell-Lizenz von Microsoft

Interessant: Microsoft hatte sich in der Vergangenheit ja öfter gegen die "virale" GPL und ihren Zwang, von freiem Code abgeleitete Software wieder frei zugänglich zu machen, gewandt.

Ich habe heute interessehalber mal die neue PowerShell von Microsoft auf meiner letzten verbliebenen Windows-Partition installiert. Dabei ist mir in der Lizenzvereinbarung ein interessanter Passus aufgefallen:

Vertriebseinschränkungen. Sie sind nicht dazu berechtigt:
[...]
* den Quellcode von vertreibbarem Code so zu ändern oder zu vertreiben, dass irgendein Teil von ihm einer Ausschlusslizenz unterliegt. Eine Ausschlusslizenz ist eine Lizenz, die als Bedingung für eine Verwendung, Änderung oder einen Vertrieb erfordert, dass:
* der Code in Quellcodeform offen gelegt oder vertrieben wird
* andere das Recht haben, ihn zu ändern.

"Vertreibbarer Code" ist dabei Code, der der PowerShell beiliegt und explizit weitergegeben werden darf; Bibliotheksfunktionen oder Beispiele etwa. Wenn ich diesen Passus richtig verstehe, darf ich also mit der PowerShell keine Programme schreiben, die ich unter die GPL stellen will -- schließlich wäre dann eine Bedingung für die weitere Verwendung, dass andere das Recht haben, den Code zu ändern...

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