Verfasst von jstarek am 10. November 2007 - 0:53.
Wie (zumindest von mir) erwartet ging heute die Vorratsdatenspeicherung durch den Bundestag. Auf der Liste mit den Ergebnissen der namentlichen Abstimmung tauchen mit Eberhard Gienger und Christian Freiherr von Stetten leider auch zwei Abgeordnete aus unserer Gegend bei den "Ja"-Stimmen auf. Vermutlich kann man ihnen keinen allzu großen Vorwurf machen, ebensowenig wie den vielen anderen, die einfach ihrer Fraktion folgten: Wann sollen sich Abgeordnete mit ihren übervollen Terminkalendern eigentlich in eine Denkweise einarbeiten, die ihnen, den (vorwiegend) alten Männern mit Kugelschreibern, notwendigerweise fremd ist?
Ich denke, so wie die Mächtigen von der technischen Realität überholt wurden, so wurde das Stimm- und Wahlvolk von den politischen Realitäten überholt. Demonstrieren ist wie Kugelschreiber verwenden: Schön einfach, jahrelang geübt - und einfach nicht mehr zeitgemäß. Die einzige Alternative, nämlich das konsequente Ausarbeiten und Vorlegen besserer Vorschläge, ist aber nun leider mit Arbeit verbunden; vielleicht mehr, als eine Volkswirtschaft in der Freizeit leisten kann. Aber wäre es nicht einen Versuch wert? Wäre es nicht den Versuch wert, den Kugelschreibernutzern zu zeigen, was sich mit einem Computer anstellen lässt?
Unsere Post-Kugelschreiber-Generation sollte aufhören, sich über Kugelschreibernutzer aufzuregen und den Rechner selbst allenfalls als Flashmob- und Demo-Organisations-Tool zu verwenden. Wir sollten versuchen, mit unseren Mitteln und unserer Denkweise konstruktiv Alternativvorschläge auszuarbeiten.
Aber seit der Pleite mit der Datenschutz-Vortragsreihe unserer Fachschaft und nachdem weder der AK Vorratsdatenspeicherung noch sonst jemand im Netz an konstruktiver Kritik interessiert scheint, bin ich mir nicht mal sicher, ob man genug Autoren für ein entsprechendes Netz zusammenbekäme... Na ja, es ist zu hoffen, dass die vielen kritischen Beiträge "da draußen" schon in entsprechenden Archiven gesichert sind; dann wüssten künftige Historiker wenigstens, wie das mit dem gläsernen Bürger damals anfing.