Kommunikationsgedanken

Alle "Bewohner" meines Adressbuchs haben gerade eine Mail mit meiner neuen Mailadresse und dem zugehörigen PGP-Key bekommen. Nach 5 Jahren nerve ich also schon wieder alle meine Bekannten mit einer Adressänderung, aber diesmal habe ich mir vorher durchaus Gedanken gemacht :-)

Für Leute, die (wie etwa Studenten) ihr elektronisches Leben an vielen Orten und von verschiedenen Computern aus führen, ist vielleicht interessant, was dabei herausgekommen ist.

Ich arbeite nicht übermäßig viel mit Mails. Wenn man Mailinglisten rausrechnet, sind es durchschnittlich nur vier Nachrichten pro Tag. Lohnt es sich da, sich Gedanken um sein Mailsetup machen? Schließlich kriegen andere Leute 100 Nachrichten am Tag und mehr. Na ja, aber seit dem Zivildienst haben sich so schon fast 10.000 Mails angesammelt, die irgendwas mit mir zu tun haben. Also ein gar nicht so kleines Wissensarchiv, und auch ein großer Haufen Erinnerungen - so was löscht man nicht.

Seit ich studiere, nutze ich viele verschiedene Rechner, manche nur einmal, manche regelmäßig. Deshalb sollte es ein Mailsetup werden, bei dem ich von möglichst jedem Rechner Zugriff auf all meine Mails (auch die verschickten) habe, Mails problemlos signieren und verschlüsseln kann und bei dem ich mit nur einer Adresse auskomme.

Ein normaler Freemail-Account bei GMX, web.de oder Freenet bietet ein POP-Postfach mit begrenzter Aufbewahrungszeit und scheidet damit als Archiv schon mal aus. Und der Aufwand, die Mails herunterzuladen und dann zwischen verschiedenen Rechnern, Betriebssystemen und Mailprogrammen so abzugleichen, dass man überall an alles rankommt, ist sehr hoch.

Außerdem kann man mit Hilfe der Freemailer kein Archiv seiner versandten Nachrichten anlegen: bei fast keinem Anbieter (Google Mail ist da eine rühmliche Ausnahme) werden Mails, die man selbst versandt hat, im "Versandt"-Ordner auf dem Server gespeichert. Und selbst wenn -- lokale Mailprogramme können diese nicht anzeigen. Mit den Freemailern hat man also in keinem Mailprogramm ein komplettes Archiv zur Verfügung.

Das webbasierte Google Mail ist aber ein guter Kandidat: Eine sehr gut durchdachte Oberfläche, die gerade an "dünnen Leitungen" (Modem oder Handy) sehr viel besser zu nutzen ist als die Webmail-Lösungen von GMX & Co. Die laden nämlich nach jedem Klick dutzende kB Werbebanner, während bei Google Mail nur einige Texte aktualisiert werden. Zudem sieht die Oberfläche durch den Verzicht auf blinkende Werbung sehr viel übersichtlicher aus. Dazu stetig wachsender Speicherplatz (im Moment 2,8 GB) -- also ab zu Google Mail. Oder?

"Im Prinzip ja", sagt Radio Eriwan: Google Mail hat zwei große Haken. Einmal fehlt eine Importfunktion für die bisher angefallenen Mails. Es gibt zwar ein entsprechendes Tool, das aber beim Import das Datum aller alten Nachrichten auf den aktuellen Tag setzt. Nicht sehr praktisch für ein Archiv. Außerdem unterstützt Google Mail PGP nicht, was aber für einen Webmailer prinzipbedingt auch fast unmöglich ist. Das wollte ich aber unbedingt haben. Warum? Google Mail wird oft kritisiert, weil man Google zu viele zu private Daten anvertraue, wenn man sein Adressbuch und all seine Kommunikation darüber abwickelt. Jetzt sind Mails aber vom Prinzip her eine ziemlich "lesbare" Sache, und wenn man nicht will, dass sie jemand liest, sollte man sie verschlüsseln.

Damit blieb eigentlich nur noch eine Lösung: einen IMAP-basierten Provider suchen, der gute Filtermöglichkeiten auf dem Server bietet (gegen Spam, aber auch zum sortieren) und den Datenschutz selbst in die Hand zu nehmen. Ich hatte das Glück, das sich bisher keine allzu privaten Nachrichten angesammelt hatten, so dass ich die 10000 Mails jetzt auf 500 MB IMAP-Mailspace lagere. Davor einige Filter auf dem Server, der Rest kann über beliebige Mailprogramme oder ein Webmail-Interface passieren. Ich versuche, alle ausgehenden Mails zu signieren, und wirklich privates kann ab sofort verschlüsselt werden.

Damit habe ich endlich ein flexibles, relativ günstiges Archiv all meiner Mails zur Verfügung und hoffe, dass meine Adresse sich jetzt ein Weilchen nicht mehr ändert :-)

Alternate? USB-Sticks kosten

Alternate? USB-Sticks kosten nicht die Welt, und ein gescheit konfigurierter portabler T-Bird mit einem x-beliebigen POPer geht auch. Hat den Nachteil, daß du imemr den Stick mitschleppen mußt, aber das hält sich in Grenzen. Hat den Vorteil, daß du, egal an welchem Rechner du arbeitest, immer das selbe Programm mit *genau deinen* Einstellungen hast, inklusive sämtlicher Plugins, etc.

Würdest du mir bite deinen

Würdest du mir bite deinen IMAP-Provider verraten? Oder aber auch, wie gut das mit den serverseitigen Filtern funktioniert. Ich habe meine Mails bei all-inkl im IMAP liegen, allerdings ist das Handling nicht so gut. Beispielsweise lassen Ordner sich über einen Mailclient anlegen, nicht aber löschen.
Ich such weiter...

Ich bin jetzt bei TMKIS

Ich bin jetzt bei TMKIS (http://www.tmkis.de) gelandet und habe mir ein Webhostingpaket "maßschneidern" lassen. Da bekommt man einen recht leistungsfähigen Filter (mit einem leider etwas unintuitiven Bedienpanel) und kann zumindest Dinge wie "sortiere Mails von XYZ in Ordner Alpha, außer im Betreff steht ABC, dann nimm Ordner Beta" problemlos machen.